? PG: Euren Stil kann man mit absolut ruhigem Gewissen als einmalig bezeichnen. Eure Bandbreite reicht von brachialem Hardcore Riffing bis hin zu filigranem, fast fusionmäßigen Grooven. Wie hat sich der Mudvayne-Stil entwickelt?

! Gurrg: Wir spielen mittlerweile seit fast fünf Jahren zusammen. Dabei war es uns von Anfang an sehr wichtig, einen Stil zu entwickeln, in dem sich jeder von uns wiederfinden konnte. Da wir alle vier total unterschiedliche Vorlieben hatten, kann man sich sicher lebhaft vorstellen, dass die Realisation dieses Wunsches, mit einigen Schwierigkeiten verbunden war. Spak ist ein totaler Black Metal-Fan, Ryan steht auf Jaco Pastorius und ich bin mit der Musik von Led Zepplin, Randy Rhoads und Aerosmith großgeworden. Da wir in der ersten Zeit absolut keine Vorstellung davon hatten, wohin die Reise stilistisch im Endeffekt eigentlich gehen sollte, verlegten wir unsere Aktivitäten zunächst einmal darauf, einfach so drauflos zu jammen. Und das war genau der richtige Weg. Wir lernten uns musikalisch immer besser kennen, näherten uns stilistisch aneinander an und fanden so den Stil, der Mudvayne heute ausmacht.

? PG: Wenn man sich euer Booklet anschaut wird man feststellen, dass ihr alle Songs im Teamwork schreibt. Wie muss man sich so etwas vorstellen? Arbeitet ihr ausschließlich im Proberaum, oder bringt jeder von euch Ideen an den Start, an denen dann alle gemeinsam feilen?

! Gurrg: Ich arbeite sehr viel zuhause. Hier sammle ich neue Song-Fragmente und Riffs. Der erste, der sie dann zu hören bekommt ist Matt (Spak), unser Drummer. Wir jammen mit den Riffs und Matt entwickelt Grooves und andere verrückte Ideen. Sobald das Fundament steht, kommt Ryan ins Spiel. Ryan ist ein absolutes Bass-Monster und sorgt mit seinen Lines für Dynamik und die nötige Abwechslung. Das ist dann der Zeitpunkt, an dem auch unser Sänger Kud ins Geschehen eingreift. Seine Stärke liegt im spontanen Entwickeln von Melodielinien und Spannungsbögen. So tasten wir uns langsam, aber sicher, an den neuen Mudvayne-Song heran!

? PG: In Nummern wie 1 oder Nothing To Gein arbeitet ihr sehr intensiv mit Odd Time Signatures. Setzt du dieses Stilmittel beim komponieren bewusst ein, oder passiert das eher intuitiv ?

! Gurrg: Total intuitiv. Ich denke so schräg! Als ich das erste mal mit einem Riff in Odd Time Signature ankam, war es mein Kollege Matt der mir erklärte, was ich da eigentlich veranstalte. Er sagte: Hey cool Greg, das ist ein 11/8'tel Takt. Ich hatte damals wirklich absolut keine Ahnung (lacht)!

? PG: Dann erübrigt sich wohl die Frage , ob ihr eure Arrangements in irgendeiner Form notiert?! Kompliziert genug dafür wären sie ja!

! Gurrg: Nein, bei uns wird alles erprobt. Wir spielen sehr, sehr viel zusammen, und jeder von uns weiß genau, was der andere gerade macht bzw. machen will. Dieses "sich blind auf den anderen verlassen können" hilft uns dabei, auch noch so komplizierte Arrangements, schnell und ziemlich perfekt, draufzukriegen!

? PG: Kommen wir zu eurer Studioarbeit. Wie lange haben die Aufnahme-Sessions zu L. D. 50 gedauert?

! Gurrg: Wir haben insgesamt 10 Wochen im Studio verbracht.

? PG: Habt ihr in einer Bandsituation aufgenommen?

! Gurrg: Ja klar! Wir haben alle Songs zunächst einmal live eingespielt. Ich denke, unsere Musik lebt von der Interaktion der einzelnen Bandmitglieder. Außerdem sind unsere Arrangements sehr dynamisch. Beim Overdubbing geht meiner Meinung nach, sehr viel von diesem Charakter verloren. Natürlich gab es auch einige Tracks, die nicht so rüberkamen, wie wir uns das ursprünglich eigentlich vorgestellt hatten. In solchen Situationen kamen dann selbstverständlich auch Overdubs zum Einsatz. Aber das waren eher Ausnahme-Fälle.

? PG: Welche Rolle hatte euer Produzent Garth Robinson (Rage Against The Machine, L7) in dem Spiel?

! Gurrg: Garth ist ein absoluter Perfektionist. Er hat uns sehr dabei geholfen, unsere Songs und Arrangements im Studio auf den Punkt zu bringen. Außerdem haben wir, gerade auch was die Gitarrenarrangements angeht, ziemlich intensiv zusammengearbeitet.

? PG: Waren eure Songs komplett fertig, als ihr mit den Aufnahmen begonnen habt, oder wurde auch im Studio noch kräftig "herumkomponiert"?

! Gurrg: Das war sehr unterschiedlich. Einige Songs funktionierten perfekt. Bei anderen merkten wir während der Sessions, dass hier und da noch etwas fehlte, um die Nummer wirklich rund laufen zu lassen. In solchen Fällen haben wir uns dann zusammengesetzt, Ideen gesammelt und neue Parts und Breaks kreiert.


Garth ist ein absoluter Perfektionist. Er hat uns sehr dabei geholfen, unsere Songs und Arrangements im Studio auf den Punkt zu bringen. Außerdem haben wir, was die Gitarrenarrangements angeht, ziemlich intensiv zusammengearbeitet.


? PG: Ihr seit sehr eng mit der Band Slipknot verbandelt. Neben gemeinsamen Tourneen in den Staaten, hat Shawn Crahan (Percussionist von Slipknot) auch als Executive Producer auf eurem Album mitgewirkt. Wie habt ihr euch eigentlich kennen gelernt?

! Gurrg: Unser Booker machte einen A&R Manager von Epic auf uns aufmerksam. Wie der Zufall es wollte, war dieser gleichzeitig auch der Manager von Slipknot. Als er einen unserer Gigs besuchte, brachte er Shawn mit. Clown (Shawn) war von unserem Sound total begeistert. Wir stellten sehr schnell fest, das wir absolut auf der gleichen Wellenlänge funkten und seit dieser Zeit sind wir dicke Freunde. Unsere gemeinsamen Tourneen sind Just Fun.

? PG: Kommen wir zu deinem Equipment. Dein Gitarrensound ist ziemlich fett. Welche Amps kommen bei dir zum Einsatz?

! Gurrg: Für die verzerrten Parts verwende ich Mesa Dual Rectifire Heads plus Boxen. Den cleanen Bereiche decke ich mit einem echten Klassiker ab: Dem Roland Jazz Chorus JC 120. So habe ich wirklich The Best Of Both Worlds im Einsatz.

? PG: Und wie sieht es gitarrenmäßig aus?

! Gurrg: Meine Hauptgitarre ist eine Gibson Les Paul Studio. Außerdem spiele ich noch eine Ibanez aus der RG-Serie.

? PG: Welche Stimmung fährst du?

! Gurrg: Ich stimme meine Gitarre um einen Ganzton nach unten. Um meinen Riffs den nötigen Bass-Kick zu besorgen, wird die tiefe E-Saite zusätzlich noch um einen weiteren Ganzton runtergetuned. Komplett sieht das Tuning also so aus: C G C F A D .

? PG: Das größte Problem bei der Arbeit mit runtergestimmten Gitarren ist sicher, der sich verringernde Saitenzug und das damit eintretende schwammige Spielgefühl. Welche Saitenstärken verwendest du, um diesen negativen Effekt zu kompensierst ?

! Gurrg: Ich spiele einen 11er Satz. Genauer gesagt: 011-052er Saiten. So bekomme ich das Spielgefühl eines 9er Satzes im Standard-Tuning. Das ist dann wieder vollkommen okay. Neben dieser positiven Auswirkung auf das Spielgefühl, machen die Saiten, dank ihrer Masse, zusätzlich noch mehr Gas als ein dünnerer Satz. Gerade in Verbindung mit dem Dual Rectifire, bekomme ich so einen oberfetten Sound.


Unser Booker machte einen A&R Manager von Epic auf uns aufmerksam. Wie der Zufall es wollte, war dieser gleichzeitig auch der Manager von Slipknot.


? PG: Bleiben wir noch einen Augenblick bei dir als Gitarristen. Du erwähntest vorhin, dass du mit der Musik von Led Zepplin und Aerosmith aufgewachsen bist. Aber dann erkläre mir doch mal, woher du deine abgefahrenen Riff-Ideen, Odd Time Grooves und Fusion-Zitate nimmst. Lüfte dein Geheimnis!

! Gurrg: Okay, ich oute mich. Ich bin ein absoluter Fan von Jazz-Musikern wie Bill Evans, Jaco Pastorius und Stanley Clarke (siehe auch cool weblinks). Diese Jungs bevorzugen ziemlich abgehobene Arrangements. Für mich ist ihre Musik die totale Inspiration. Als Gitarrist bin ich zwar nicht soweit in die Materie eingedrungen, dass ich selber Fusion- oder Jazz-Songs spielen könnte, aber die unbewusste Beeinflussung durch das Hören, ist erstaunlich wirksam.

? PG:Hattest du jemals Unterricht ?

! Gurrg: Als ich anfing Gitarre zu spielen, habe ich einmal vier Unterrichtsstunden bei einem Gitarrenlehrer absolviert. Da mich das nicht sonderlich weitergebracht hat, entschied ich mich damals dafür, lieber zu Platten zu jammen und meine Erfahrungen im Zusammenspiel mit anderen Musikern zu machen.

? PG: Okay, Gurrg. Vielen Dank für das interessante Interview und viel Erfolg auf eurer anstehenden Europa-Tour.

ÜBRIGENS: Wir werden versuchen, während der Tour einige Snapshots des Euipments der Mudvayne Boys an den Start zubringen. Der PG Newsletter hält die auf dem Laufenden! Oder schau doch ab und zu einfach mal vorbei!

Fotos: Sony/Epic

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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